Schimpfworte, bei denen ich rot werde

Schimpfworte

„Das sind Worte, die kann ich gar nicht wiederholen.“ So die gestandene Erzieherin Sabine eines Kinderhortes. Sie ist sichtlich empört als sie berichtet, wie oft sie sich während ihrer Arbeitszeit schlimme Schimpfworte von Kindern anhören muss. Und dabei richteten sich diese Worte noch nicht einmal gegen sie, sagt sie. Das sei einfach die Art der Kinder untereinander zu kommunizieren.

Sabine ist nicht nur empört. Sie ist auch wütend. Hinter der Wut, so finden wir gemeinsam heraus, steht eine große Frustration und Hilflosigkeit. Es geht ihr um Integrität, um das Respektieren ihrer Grenzen. Als ich ihr sage, dass jeder, also auch sie, ein Recht darauf habe, dass eigene Grenzen respektiert werden, ist sie skeptisch.

Für die Wahrung der eigenen Grenzen sorgen

Im Sinne der Gewaltfreien Kommunikation (GFK) geht es im Miteinander darum, dass die Bedürfnisse beider Seiten erfüllt werden. In der Zusammenarbeit mit Kindern bedeutet das, es geht nicht nur um den „Erziehungsauftrag“, sondern eben auch um das eigene Wohlergehen. Idealerweise, fällt beides zusammen. Ich habe mal den Satz gelesen: Setzten wir Kindern keine Grenzen, aber bringen wir Ihnen bei, Grenzen anderer zu respektieren.

Wie können Sie für Ihre eigenen Grenzen sorgen? Anhand des Beispiels von Sabine könnten Sie folgendes tun: Gehen Sie bei den nächsten Schimpfworten in den Selbstausdruck. Als Bitte können Sie eine klare Handlungsbitte wählen. Zum Beispiel: „Martin, wärst Du bereit, jetzt mit mir zu vereinbaren, dass Du die folgenden Worte ….. nicht mehr hier im Hort verwendest?“  Wenn Sie Glück haben, bekommen Sie ein „JA“. Das ist keine Garantie, aber ein Zeichen von Kooperationswillen. Und das ist schon eine ganze Menge! Bei einem „Rückfall“ erinnern Sie das Kind an seine Zusage.

Beharrlich bleiben

Statt einer Handlungsbitte könnte hier aber auch die Verbindungsbitte zum Einsatz kommen. Zum Beispiel könnte der Selbstausdruck dann wie folgt lauten: „Martin, ich habe heute und gestern die Worte *piep* und *piep* von Dir gehört. Ich fühle mich extrem unwohl dabei. Das Hören dieser Worte übersteigt meine Grenzen. Ein respektvoller Umgang miteinander ist mir wirklich wichtig. Wie ist das für Dich, wenn Du das von mir hörst?“ Ganz ehrlich, ein „Ist mir egal.“ als Antwort ist durchaus möglich. Machen Sie sich nichts daraus. Bleiben Sie dran. Wenn Sie es schaffen, in dieser Situation keine Dominanzstrategien zu verwenden, haben Sie große Chancen auf dauerhafte Kooperation. Beim nächsten Schimpfwort versuchen Sie es einfach mit der Handlungsbitte. Spielen Sie auf der GFK-Klaviatur.

Grenzen

Und wenn Martin dann immer seltener Schimpfworte benutzt, dann tut er das nicht, weil er Angst vor Strafe hat, sondern weil er Ihre Grenzen respektiert. Das ist ein Meilenstein in seiner Entwicklung und für Sie eine ganz besondere Sternstunde.

Bleiben Sie dran. Es lohnt sich!

Besuchen Sie auch unsere Homepage

Kontakt:
E-Mail
Tel.: (06 11) 97 13 28 88

Folgen Sie uns auf Facebook

Weitere Blogbeiträge zum Thema Bitte

Schreibe einen Kommentar