Erzieherinnen und Erzieher beobachten täglich, wie Kinder in ihre Spielwelten eintauchen. Sie wissen: Spielen ist für die Entwicklung essenziell, betrachten es aber meist aus der erwachsenen Perspektive. Doch was passiert, wenn wir die eigentlichen Experten befragen – die Kinder selbst?
Ein aktueller Artikel („Wie Kinder wirklich spielen wollen und was das für Eltern bedeutet“) beleuchtet eine spannende Studie, in der genau das getan wurde. Der Studienautor Andreas Lieberoth, Professor an der Aarhus University, ging der Frage auf den Grund, was gutes Spielen eigentlich ausmacht. Das Ergebnis bietet wunderbare Anknüpfungspunkte für unsere Arbeit mit der Gewaltfreien Kommunikation (GFK).
Das „Spielgefühl“ – Freude und Verbindung
In der Studie füllten über 500 Schülerinnen und Schüler im Alter von fünf bis elf Jahren Fragebögen aus. Sie identifizierten einen abstrakten, aber klaren Indikator für gutes Spielen: das „Spielgefühl“. Die Forschenden bezeichnen dies als ein grundlegendes Gefühl von Freude. Für die Kinder bedeutet es, eine perfekte Erfahrung zu machen, ein Lächeln auf den Lippen zu haben und mit anderen im Einklang zu sein. Aus GFK-Sicht erkennen wir hier wunderbar erfüllte Bedürfnisse nach Leichtigkeit, Verbindung und Gemeinschaft.
Der Wolf in uns: Wenn „gutes“ Spielen nicht „nett“ aussieht
Interessant wird es, wenn unsere erwachsenen Erwartungen ins Spiel kommen. Die Studie zeigt deutlich: Was Kinder als „gutes“ Spielen bezeichnen, entspricht nicht unbedingt dem, was erwachsene Beobachter für „nettes“ Spielen halten. Oft sind positive Spielerfahrungen mit Regelbrüchen, albernem Verhalten und Unfug verbunden. Manchmal kämpfen Kinder in der Schulpause fantasievoll in einer Zombie-Apokalypse. Auch „exklusives Spielen“, bei dem neue Teilnehmende in einer geschlossenen Gruppe ausdrücklich unerwünscht sind, gehört laut den Kindern dazu.
Hier tappt unser innerer „Wolf“ schnell in die Bewertungsfalle: „Das ist aber nicht sozial!“ oder „Das ist viel zu wild!“. Doch eine der wichtigsten Funktionen des Spielens ist es, Grenzen auszutesten. Wenn wir den ersten Schritt der GFK anwenden – die Beobachtung ohne Bewertung – können wir erkennen, dass hinter dem wilden oder exklusiven Spiel tiefere kindliche Bedürfnisse stehen: Autonomie, Sicherheit im vertrauten Kreis oder der Drang nach Selbstwirksamkeit.
Mut zur Lücke: Langeweile zulassen
Kinder haben heute oft zu viel Struktur in ihrem Leben und zu viel durchgeplante Freizeit. Lieberoth fordert dazu auf, Kindern auch mal Langeweile zuzumuten. Denn genau dann entwickeln sie kreative, alberne und mutige Ideen, schlicht weil es nichts anderes zu tun gibt.
Fazit für den Kita-Alltag
Der Rat des Forschers deckt sich stark mit der inneren Haltung der GFK: Öfter einfach nur beobachten. Bevor wir eingreifen, sollten wir innehalten und uns ehrlich fragen: Ist das wirklich notwendig? Oftmals kollidieren lediglich unsere eigenen Bedürfnisse nach Ruhe oder Ordnung mit dem Bedürfnis der Kinder nach freiem, unstrukturiertem Ausdruck.
Wenn wir es schaffen, uns etwas weniger einzumischen und auszuhalten, dass Spielen auch mal unharmonisch oder grenzüberschreitend ist, schenken wir den Kindern wertvollen Raum für ihre Entwicklung. Und ganz nebenbei sorgt diese empathische Gelassenheit auch bei uns für mehr Entspannung im pädagogischen Alltag – eine echte Win-win-Situation!
Quellenbezug: Basierend auf „Wie Kinder wirklich spielen wollen und was das für Eltern bedeutet“, Lukas Brems, Spiegel Online, 27.04.2026