Oft fallen in Kitas oder Elterngesprächen Sätze über kindlichen Egoismus. „Kinder müssen erst lernen, an andere zu denken“, heißt es dann. Viele Erwachsene glauben, der Mensch sei im Grunde egoistisch. Sie denken, nur harte Erziehung erzwingt soziales Verhalten. Die moderne Evolutionsforschung widerlegt dies jedoch.
Ein aktueller Artikel der Wochenzeitung DIE ZEIT (Ausgabe 15, 1. April 2026) räumt mit diesem Vorurteil auf. Der Autor Jakob Simmank titelt treffend: „Der Mensch ist ein Gutmensch“. Der Text untermauert das Menschenbild der Gewaltfreien Kommunikation (GFK) mit harten wissenschaftlichen Fakten.
Empathie als größter evolutionärer Vorteil
Populistische Stimmen und prominente Unternehmer bezeichnen Empathie gerne als Schwäche. Sie missbrauchen das Prinzip vom „Überleben des Stärksten“ als Ausrede für rücksichtsloses Verhalten. Die Forschung zeichnet ein völlig anderes Bild. Der Homo sapiens gewann die Evolution nicht durch Aggression. Körperlich war uns der Neandertaler weit überlegen. Wir überlebten als Spezies dank unserer einzigartigen Fähigkeit zur Zusammenarbeit.
Wir entwickelten soziales Lernen und tiefes Einfühlungsvermögen. Vergleichende Tests am Max-Planck-Institut belegen dies eindrucksvoll. Schimpansen lösen reine Intelligenzaufgaben oft genauso gut wie zweieinhalbjährige Kinder. Beim Hineinversetzen in ein Gegenüber versagen die Menschenaffen jedoch. Schon Kleinkinder spüren den angeborenen Drang, Aufmerksamkeit zu teilen.
Die Wissenschaft nennt diesen Prozess die „Selbstzähmung“ des Menschen. Über Jahrtausende hinweg wurden wir freundlicher, offener und kooperativer. Ein faszinierendes anatomisches Detail verdeutlicht das: Nur Menschen besitzen eine weiße Lederhaut im Auge. Dadurch erkennen wir sofort die exakte Blickrichtung unseres Gegenübers.
Blinde Fairness statt Egoismus
Wirtschaftswissenschaftliche Experimente bestätigen unsere kooperative Natur weltweit. Das bekannte „Ultimatum-Spiel“ zeigt dies deutlich. Menschen agieren nicht als kalte Nutzenmaximierer. Wir suchen nicht ausschließlich unseren eigenen Vorteil. Vielmehr beweisen wir eine „blinde Fairness“. Wir geben freiwillig Ressourcen ab. Zutiefst egoistisches Verhalten lehnen wir instinktiv ab.
Bedeutung für den pädagogischen Alltag
Empathie, Kooperation und Fairness stecken tief in unserer Natur. Wir müssen Kinder also nicht durch Druck oder Strafen formen. Machtausübung erzeugt keine echten sozialen Wesen. Unsere wichtigste pädagogische Aufgabe lautet vielmehr: Wir müssen eine sichere Umgebung schaffen. Darin entfaltet sich der angeborene moralische Kompass der Kinder frei.
Genau hier greift der Ansatz BEziehung vor ERziehung. Wir reden hier nicht von grenzenlosem Gewährenlassen. Jede Gemeinschaft braucht schützende Regeln. Unser Ansatz liefert die nötige Orientierung durch echte Verbindung und Respekt. Wir hören den Kindern wirklich zu. Wir nehmen ihre Gefühle und Bedürfnisse ernst. So stärken wir ihr natürliches Potenzial zur Kooperation.
Sichere Räume professionell gestalten
Pädagogische Fachkräfte lösen Konflikte im Kita-Alltag am besten wertschätzend. Das lässt die emotionale Intelligenz im gesamten Team wachsen. Dafür bietet unsere Weiterbildung zur Fachkraft GFK für Kitas das passende Handwerkszeug.
Die Teilnehmer lernen in der Fortbildung, ihr eigenes Empathie-Potenzial gezielt abzurufen. Das funktioniert auch an sehr stressigen Tagen. So bauen wir alte Kommunikationssperren erfolgreich ab.
Die aktuelle Wissenschaft spricht eine klare Sprache: Der Mensch kommt kooperativ und fair zur Welt. Kitas bieten den perfekten Raum, um diese wertvollen Anlagen täglich zu fördern.
Inspiration & inhaltliche Bezugnahme: DIE ZEIT Artikel „Der Mensch ist ein Gutmensch“. Ein Text von Jakob Simmank, erschienen in der Ausgabe 15 vom 1. April 2026, S. 11-13