Kama Muta – Oder: Warum uns Gänsehaut-Momente in der Kita so tief verbinden
Kennst du diesen Moment? Ein Kind, das sich wochenlang schwergetan hat, kommt plötzlich strahlend auf dich zu und nimmt deine Hand. Oder Du beobachtest, wie ein Kind ein anderes tröstet, ganz ohne dass du eingreifen musst. Plötzlich ist da dieses Gefühl: Ein Kloß im Hals, feuchte Augen, eine Gänsehaut und eine Wärme in der Brust.
Wir nennen es oft einfach „gerührt sein“. Doch die Wissenschaft hat für dieses spezielle, überwältigende Gefühl einen neuen, treffenderen Namen gefunden: Kama Muta.
Was genau ist Kama Muta?
Der Psychologe Thomas Schubert von der Universität Oslo beschreibt es als das plötzliche Gefühl von intensiver Verbundenheit und Zugehörigkeit. Der Begriff stammt aus dem Sanskrit und bedeutet so viel wie „von Liebe bewegt“. Es ist der Moment, in dem Barrieren fallen und wir uns als Teil eines Ganzen fühlen – sei es mit einer einzelnen Person, einer Gruppe oder sogar etwas Abstraktem wie der Natur.
Laut aktuellen Forschungen, über die der Spiegel berichtet, ist dieses Gefühl universell. Menschen weltweit reagieren ähnlich auf Situationen, die Fürsorge, Heimkehr oder unerwartete Freundlichkeit zeigen. Es ist ein soziales Bindemittel, das uns Menschen zutiefst emotional erreicht.
Kama Muta in der Kita
Gerade in unserer pädagogischen Arbeit sind diese „Kama Muta“-Momente das Salz in der Suppe. Sie sind der Beweis dafür, dass Beziehung stattfindet. Wenn wir uns von der Entwicklung eines Kindes oder einer Geste der Zuneigung „bewegen lassen“, stärken wir intuitiv die Bindung.
Genau hier schließt sich der Kreis zur Haltung in der Gewaltfreien Kommunikation: Beziehung vor Erziehung. Denn Erziehung ohne diese tiefe, emotionale Verbindung bleibt oft wirkungslos oder wird zum Machtkampf. Kama Muta ist das körperliche Signal dafür, dass wir gerade eine echte „Herzensverbindung“ spüren – die Basis für jedes vertrauensvolle Lernen.
Mehr Raum für Gefühle
Es ist spannend zu sehen, dass die Wissenschaft nun bestätigt, was wir im Kita-Alltag oft intuitiv spüren: Gefühle zu benennen hilft uns, sie besser wahrzunehmen. Indem wir Begriffe wie Kama Muta kennenlernen, können wir diese wertvollen Momente der Verbundenheit bewusster genießen und wertschätzen.
Möchtest Du lernen, wie du diese Haltung der Verbundenheit noch professioneller in deinen Alltag integrieren und auch in stressigen Situationen abrufen kannst? In unserer Ausbildung zur Fachkraft GFK für Kitas gehen wir genau diesen Fragen auf den Grund. Wir üben, wie man diese „Herzenssprache“ nicht nur in magischen Momenten, sondern auch in Konflikten spricht.
Achte in den nächsten Tagen doch einmal darauf: Wann spürst Du Kama Muta? Wann hast du Gänsehaut vor Rührung? Es sind genau diese Momente, die deinen Beruf so einzigartig machen.
Quelle: DER SPIEGEL 6 | 2026, Seite 87, „Ein Gefühl namens Kama Muta“ von Julia Köppe.