Stell dir vor, es gäbe eine geheime Zutat, die nicht nur den Stresspegel in deiner Gruppe senkt, sondern dich selbst gesünder macht und Konflikte entschärft, bevor sie entstehen. Klingt zu schön, um wahr zu sein? Ein aktueller Artikel in der ZEIT (Ausgabe 54/2025) nennt diese Zutat beim Namen: Die Kraft des Staunens.
Als pädagogische Fachkräfte sind wir oft Manager des Alltags. Wir organisieren, schlichten, dokumentieren, und ja, oft bewerten wir auch. „Das ist zu laut“, „Das ist gefährlich“, „Das gehört sich nicht“. Doch was passiert, wenn wir diesen Bewertungsmodus kurz ausschalten und stattdessen ins Staunen kommen?
Warum Staunen gesund ist (Wissenschaft statt Esoterik)
Staunen ist mehr als nur ein „Wow-Moment“ beim Anblick eines Regenbogens. Die Forschung zeigt, dass echtes Staunen (im Englischen „Awe“) unseren Vagusnerv aktiviert. Das ist der Teil unseres Nervensystems, der für Ruhe und Regeneration zuständig ist. Wer staunt, senkt seinen Cortisolspiegel und fährt das Stresslevel herunter.
Für uns in der Kita bedeutet das: Ein Moment des Staunens ist aktive Burnout-Prophylaxe.
Vom „Ich“ zum „Wir“
Noch spannender für unsere Arbeit ist jedoch die soziale Komponente. Studien zeigen: Wer staunt, nimmt sich selbst weniger wichtig und fühlt sich stärker mit der Gemeinschaft verbunden. Kinder, die zum Staunen angeregt wurden, zeigten sich in Experimenten deutlich hilfsbereiter und großzügiger. Das Ego wird leiser, die Verbindung wird lauter.
Und genau hier schließt sich der Kreis zur Gewaltfreien Kommunikation.
Staunen als pädagogische Haltung
In unseren Weiterbildungen sprechen wir oft über den Grundsatz: BEziehung vor ERziehung. Wenn ein Kind sich „schwierig“ verhält, haben wir oft den Impuls, sofort einzugreifen und zu korrigieren.
Was wäre, wenn wir stattdessen kurz innehalten und staunen? „Oha, welche Energie steckt gerade in diesem Wutanfall?“ oder „Erstaunlich, wie kreativ dieses Kind versucht, sich sein Bedürfnis nach Autonomie zu erfüllen.“
Dieser kleine Moment des Staunens schafft die notwendige Pause zwischen Reiz und Reaktion. Er hilft uns, aus der automatischen Bewertung auszusteigen und wieder in echte Verbindung zu treten. Wir sehen nicht mehr das „störende Kind“, sondern den Menschen dahinter.
Einladung zum Ausprobieren
Vielleicht nimmst du dir für diese Woche einmal vor, „Staun-Momente“ zu sammeln. Nicht nur über die Natur (die für Kinder ohnehin eine endlose Quelle des Staunens ist), sondern auch über die kleinen Dynamiken in deiner Gruppe.
Wenn wir lernen, das Verhalten der Kinder wieder mit Neugier statt mit Urteil zu betrachten, verändern wir die Atmosphäre im Raum. Wir werden gelassener. Und die Kinder spüren: Hier werde ich gesehen, nicht bewertet.
Möchtest du lernen, wie du diese Haltung dauerhaft in deinen stressigen Alltag integrierst und Konflikte dadurch ganz anders lösen kannst? In unserer Ausbildung zur Fachkraft GFK für Kitas gehen wir genau diesen Weg gemeinsam: Weg vom „Reagieren müssen“, hin zum „Verstehen wollen“.
Lass uns gemeinsam wieder öfter „Woaah!“ sagen.
Quellenhinweis: Inspiriert durch den Artikel „Woaaah! – Die Kraft des Staunens“ von Wenke Husmann, erschienen in DIE ZEIT Nr. 54, 17. Dezember 2025, S.27-28.