Schluss mit der Täuschung: Warum Enttäuschungen im Kita-Alltag wertvolle Wegweiser sind
Hand aufs Herz: Wie oft gehst du am Ende eines langen Kita-Tages nach Hause und spürst dieses nagende Gefühl der Enttäuschung? Vielleicht, weil das Elterngespräch doch konfrontativer lief als geplant. Vielleicht, weil das pädagogische Angebot, das du liebevoll vorbereitet hattest, von der Kindergruppe ignoriert wurde. Oder weil du dir von deiner Leitung oder deinem Team einfach mehr Rückhalt gewünscht hättest.
In unserem pädagogischen Alltag sind Enttäuschungen ständige Begleiter. Doch statt sie herunterzuschlucken oder als persönliches Scheitern zu verbuchen, kannst du sie als Chance nutzen. Inspiriert von einer aktuellen Folge des Spiegel-Podcasts „Smarter Leben“ mit der Psychotherapeutin Silke Brandt, möchte ich heute gemeinsam mit dir einen neuen Blick auf dieses ungeliebte Gefühl werfen – und schauen, wie dich die Gewaltfreie Kommunikation (GFK) dabei stützt.
Ent-Täuschung als Realitätscheck
Silke Brandt bringt im Podcast einen Gedanken auf den Punkt, der wie für die GFK gemacht scheint: Eine Enttäuschung ist im wörtlichen Sinne das Ende einer Täuschung. Du hast dich getäuscht – in einer Situation, in einem anderen Menschen oder in deinen eigenen Erwartungen. Übertragen auf deinen Kita-Alltag heißt das oft: Du hast eine bestimmte Vorstellung davon, wie ein Kind „funktionieren“ sollte oder wie Elternschaft „richtig“ geht. Wenn die Realität (das tobende Kind, die fordernden Eltern) auf diese Erwartung prallt, tut das weh.
Doch genau hier liegt das Gold: Wenn die Täuschung endet, siehst du die Realität klarer. Du erkennst: „Ah, dieses Kind braucht gerade gar keine Förderung, sondern erst einmal Sicherheit.“ Oder: „Meine Erwartung an die Eltern war vielleicht fachlich richtig, aber in deren aktueller Lebenssituation nicht erfüllbar.“
Erst fühlen, dann pädagogisch handeln
Im Trubel deiner Gruppe neigst du vielleicht dazu, Frust schnell wegzuschieben („Ich muss ja professionell bleiben“). Der Podcast erinnert uns jedoch daran: Gefühle brauchen Raum. Auch du als pädagogische Fachkraft darfst wütend, traurig oder frustriert sein. In der GFK nennen wir das Selbstempathie. Bevor du dich dem Kind oder den Eltern zuwendest, darfst du dich kurz um dich selbst kümmern. Was fühlst du gerade? Welches deiner Bedürfnisse (nach Kooperation, Wertschätzung, Leichtigkeit) ist zu kurz gekommen?
Silke Brandt empfiehlt im Interview, die Enttäuschung „dingfest“ zu machen – sie aufzuschreiben oder zu visualisieren. Eine Technik, die du auch super im Team nutzen kannst: Was hat euch diese Woche enttäuscht? Und welches unerfüllte Bedürfnis steckt dahinter?
Vom Frust zur echten Beziehung
Wenn du aufhörst, gegen die Realität anzukämpfen (weil du dich nicht mehr täuschen lässt), werden Ressourcen frei. Du kannst dich fragen: Wie gestalte ich die Beziehung so, dass sie echt ist und nicht auf meinen Wunschbildern basiert? Genau hier setzt unser Seminar Beziehung vor Erziehung an. Es geht darum, dass du den Druck rausnimmst und wieder in einen echten Kontakt kommst – jenseits von starren Erwartungen und Machtkämpfen. Denn wer die Täuschung loslässt, kann dem Kind wieder offen begegnen.
Wenn du tiefer einsteigen möchtest, wie du diese Haltung dauerhaft in deinem stressigen Alltag verankerst, findest du in unserer Ausbildung zur „Fachkraft GFK für Kitas“ das passende Werkzeug. Hier lernen wir gemeinsam, wie du nicht nur Konflikte im Außen löst, sondern auch deine innere Haltung so festigst, dass dich Enttäuschungen nicht mehr aus der Bahn werfen, sondern dich wachsen lassen.
Mein Fazit für dich: Sei gnädig mit dir, wenn du enttäuscht bist. Es bedeutet nur, dass du gerade dabei bist, die Welt ein Stück klarer zu sehen. Und mit diesem klaren Blick lässt es sich viel entspannter und bedürfnisorientierter arbeiten.
Hörtipp: Für tiefere Einblicke in die Psychologie der Enttäuschung lege ich dir die Podcast-Folge sehr ans Herz: https://www.spiegel.de/psychologie/psychologie-wie-wir-enttaeuschungen-besser-verarbeiten-podcast-mit-silke-brand-a-705b73b1-bc9c-4765-97c8-028a7ba9d649
Inspiration & Inhaltliche Bezugnahme: Spiegel Podcast „Smarter Leben“: Psychologie – Wie wir Enttäuschungen besser verarbeiten. Ein Gespräch mit Silke Brandt, moderiert von Lena Kafka.
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