Von Giraffen, Wölfen und anderen Tieren

Wer sich mit der Gewaltfreien Kommunikation (GFK) beschäftigt, kommt kaum an Ihnen vorbei: an Wolf und Giraffe. Woher kommt das eigentlich?

Dr. Marshall B. Rosenberg, der Begründer der Gewaltfreien Kommunikation, nutzte die beiden Tiere als Bilder für die gewaltvolle und die gewaltfreie Sprache. Drei Mal dürfen Sie raten, welches Tier für welche Sprache gewählt wurde? Richtig, der Wolf für die gewaltvolle und die Giraffe für die gewaltfreie Kommunikation.

Die Giraffe hat mit ihrem langen Hals einen besonders guten Überblick. Das versuchen wir in der GFK mit der Selbstempathie hinzubekommen. Von der Giraffe weiß man auch, dass ihr Speichel Dornen auflösen kann. Im übertragenen Sinne hilft uns dazu in der GFK die Empathie. Das ist eine Möglichkeit Dominanzstrategien von anderen zu überwinden. Na, und dann hat die Giraffe mit unglaublichen 12 kg das schwerste Herz unter den an Land lebenden Tieren. Nur zum Vergleich: Das menschliche Herz wiegt gerade mal 300 g. Da Rosenberg für die GFK auch gerne den Begriff „Sprache des Herzens“ nutzte, passen die 12 kg Herzmuskel als Bild ausgezeichnet.

Von Giraffen, Wölfen und anderen Tieren - Gewaltfreie Kommunikation (GFK)

Im Gegensatz dazu hat der Wolf ein nicht so gutes Image. Ihm werden die Attribute aggressiv, angriffslustig, gemein, hinterlistig und egoistisch zugeordnet. Denken Sie nur mal an die Märchen „Der Wolf und die sieben Geißlein“ oder „Rotkäppchen“. Selbst heute sehen einige Menschen der Rückkehr des Wolfes in heimische Wälder mit Unbehagen entgegen.

Immer wieder erhalte ich in Trainings die Rückmeldung, wie unfair diese Einteilung sei. Der Wolf sei schließlich ein äußerst soziales Wesen und man tue ihm mit dieser Verurteilung unrecht. Stimmt! Gleichzeitig helfen Bilder Sachverhalte einfach zu erklären. Besonders Kinder können mit Wolf und Giraffe eine Menge anfangen. Ich erlebe immer wieder, mit welcher Konzentration und Freude Kinder meinen Plüschwolf mit Schimpfworten füttern. Dazu dürfen die schlimmsten Schimpfworte, die sie je gehört oder je gesagt haben, schweigend(!) auf Moderaktionskarten geschrieben werden. Diese Moderationskarten wandern dann ebenso schweigend in das Maul des Plüschwolfes. Die Giraffe zu füttern ist da schon deutlich komplizierter.

Bei aller Unterstützung in der Vermittlung der GFK ist die Einteilung in Wolfsprache und Giraffensprache nicht unproblematisch. Durch sie besteht die Gefahr, die Welt in gut und schlecht, giraffisch und wölfisch zu teilen. Gerade Anfänger neigen dazu, nach einem Anfängerkurs, nur noch als Giraffe durchs Leben gehen zu müssen. Tun Sie sich das nicht an! Das Leben wird wirklich anstrengend. Machen Sie sich bewusst: der Wolf gehört genauso zu uns, wie die Giraffe. Es gibt Situationen da stellt er sich Zähne fletschend vor uns, um uns zu beschützen.

Um dieses Problem zu lösen gesellt sich seit ein paar Jahren zu Schakal, Wolf und Giraffe noch ein weiteres Tier: der Igel. Der Igel rollt sich bei (vermeintlicher) Gefahr zusammen. Er kann also mit seinen Stacheln verletzen. Gleichzeitig kann er für andere gefahrlos umherwandern. Er vereint also beide Seiten in einem Wesen.

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Ich selbst arbeite gerne mit dem Ampelsystem. Rot für verletzende Sprache, grün für gewaltfreie Sprache.

Ganz egal mit welchem Bild Sie arbeiten – entscheidend ist doch, dass Ihnen mit Hilfe der GFK unterschiedliche Wege offenstehen und sie aktiv entscheiden können, ob sie gewaltfrei oder gewaltvoll kommunizieren möchten.

Bleiben Sie dran. Es lohnt sich!

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